Es war um das Jahr 2005 herum, dass der katholische Priester James Mallon in Halifax Kanada die Verantwortung für die Pfarrei Sankt Benedikt übernommen hatte, die seitdem zu einem Hoffnungsort für viele katholische Pfarreien in der Welt geworden: Die Gemeinde wächst und auch jüngere Menschen finden zum Glauben und Heimat in ihrer Kirche.  

Seine Erfahrungen im Umbau einer traditionellen Kirchengemeinde hat Pfarrer Mallon im Jahr 2014 in einem Buch veröffentlicht, das seit 2017 auch auf Deutsch vorliegt: Divine Renovation – Wenn   Gott sein Haus saniert. Von einer bewahrenden zu einer missionarischen Kirchengemeinde.“

Fr. James Mallon und sein Team haben seither im deutschsprachigen Raum starke Beachtung gefunden und er trat auf verschiedenen Konferenzen in den Bistümern Augsburg und Passau als Sprecher auf.

Eine internationale Konferenz in Fulda im Herbst 2019 fand mit circa 700 Teilnehmern große Beachtung.

Kernaussage des Buches „Divine Renovation“ ist, dass der Auftrag Jesu, Menschen zu Jüngern zu machen auch heute noch gilt.  Fr. Mallon macht deutlich, dass es der Auftrag der Kirche sei, den Menschen Jesus als den lebendigen Sohn Gottes zu verkünden und sie zur Nachfolge anzuleiten. „Die einzig derzeit mögliche Lösung liegt darin, zu dem zurückzukehren, was Jesus vor 2.000 Jahren von uns verlangt hat – nicht nur Gläubige zu machen oder ‚praktizierende Katholiken’, sondern Jünger.“ (Zitat aus Divine Renovation)

Als wesentlichen Motor für die Veränderung seiner Pfarrei hat Fr. Mallon Alpha entdeckt. 

Alpha dient der Kirche, und unterstützt sie in ihrem Auftrag, Menschen zu helfen, eine Beziehung zu Jesus zu finden und zu entwickeln.
Alpha ist eine Serie von 15 interaktiven Vorträgen zu wesentlichen Fragen des Glaubens. Durch eine offene und einladende Atmosphäre schafft die veranstaltende Gemeinde eine Umgebung, in der auch kirchenferne Menschen miteinander über Grundfragen des Christentums ins Gespräch kommen und das Angebot erhalten, in eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus einzutreten und diese zu entwickeln. Dabei geht es um Fragen wie „Wer ist Jesus?, „Wieso musste Jesus sterben?“ und „Wie kann ich Gewissheit im Glauben finden?“

www.alphakurs.de

Das Fundament, auf dem die Entwicklung der Pfarrei aufbaut, beschreibt Fr. Mallon im zentralen Kapitel seines Buches Divine Renovation „Wenn Gott sei Haus saniert“ auf den Seiten 113 – 251

1. Der Vorrang des Wochenendes

Gottesdienste und insbesondere die Feier der Eucharistie sind keine „Pflichtveranstaltung“, sondern Höhepunkt des gemeindlichen Lebens. Da die Heilige Messe die wichtigste gemeindliche Veranstaltung ist, zu der die meisten aktiven Gemeindemitglieder zusammenkommen, verdient sie eine besonders sorgfältige Vorbereitung.

2. Gastfreundschaft

Im Zentrum steht die Gastfreundschaft und die Hochschätzung kirchenferner Menschen:  

„Wie willkommen fühlt sich jemand, der nicht aussieht wie wir, nicht so klingt wie wir, sich nicht so kleidet wie wir und nicht so riecht wie wir? Wie fühlt sich jemand, der mit einer Geisteskrankheit kämpft, wenn er unsere Kirche betritt?“  (Seite. 135) Mallon appelliert Sein Appell richtet sich an die Gemeindemitglieder, auf Menschen, die  in der Gemeinde „neu“ sind, zuzugehen , auch mal in der Kirchenbank Platz zu machen und dem „Fremden“ ein Lächeln zu schenken. Es geht darum, sich bewusst zu machen, dass die Messe auch von Menschen besucht wird, die mit den üblichen Abläufen in der Gemeinde noch nicht vertraut sind. 

Fr. Mallon spricht auch davon, dass Priester bei Anlässen, zu denen viele nicht-praktizierende Katholiken  erscheinen,  den Anwesenden weiterhelfen können, indem sie  zum Beispiel bei einem Begräbnis, an passender Stelle Erklärungen einfügen, was als nächstes geschieht.  

3. Aufbauende Musik

Fr. Mallon betont den hohen Stellenwert sogenannter „Lobpreislieder“:  „So richtig und passend die verschiedenen Liedarten auch sind, so bin ich doch der Meinung, dass Loblieder den Ehrenplatz haben sollten. Sie haben die stärkste Verwandlungskraft, denn sie schlagen uns nicht nur vor zu beten, sie rufen uns nicht nur zum Gebet auf oder sagen uns, wie wunderbar es ist zu beten, sondern sie sind selbst Gebet.“  (S. 148)

4. Homilie (Predigt)

Die christuszentrierte Predigt ist ein zentraler und wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes:

 „Jede Predigt, gleich vor welcher Hörerschaft – ob am Sonntag oder Wochentag, bei Hochzeit oder Begräbnis – sollte Jesus Christus verkündigen, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung und das neue Leben, das man in ihm durch ein Leben in Glaube, Hoffnung und Liebe finden kann.“  (S. 160)

5. Echte Gemeinschaft

Zentrales Merkmal christlichen Lebens ist die Gemeinschaft in kleinen Gruppen und bei den ehrenamtlich Mitarbeitenden: : „Glaubensüberzeugungen werden nicht mit Predigten und durch Lehre verändert, sondern indem man Vertrauen aufbaut durch Beziehungen, durch Anteilnahme, durch Zugehörigkeit.“ Und an anderer Stelle:  „Jede Woche gibt es Teams, die in der Sakramentskapelle mit denjenigen beten, die das Gebet wünschen.“  (S. 179)

6. Klare Erwartungen

Dabei sind die Erwartungen klar und durch das Evangelium vorgegeben:  „Eine hohe Willkommenskultur und eine hohe Erwartungshaltung sind tatsächlich eine respektvollere Reaktion auf Menschen, denn wir sagen ihnen: ‚Wir glauben, dass Gott in dir und durch dich wirken wird. Wir erwarten das und du solltest dasselbe tun.’“ (S. 198f.)

Folgende Erwartungen werden an die neuen Mitglieder der Pfarrei gerichtet:  

Jedes Mitglied soll

  • am Sonntag zu einer Messe kommen,
  • einmal im Jahr an einem Glaubensseminar teilnehmen, um seinen eigenen Glauben zu stärken,
  • einmal im Jahr eine Aufgabe in der Pfarrei übernehmen, um anderen zu dienen,
  • die Gemeinschaft mit den anderen Mitgliedern pflegen,
  • und die Pfarrei finanziell unterstützen (in Kanada gibt es keine Kirchensteuer).  
7. Dienen mithilfe unserer Stärken

Für die Übernahme eines Dienstes in der Gemeinde ist es unabdingbar, die eigenen seine individuellen Gaben und Fähigkeiten zu kennen. Dabei ist es wichtig, sich „nicht selbst zu berufen“, sondern vom Leitungsteam bestätigt und eingesetzt zu werden.

8. Die Bildung kleiner Gemeinschaften

Da in einer größeren Pfarrei der Priester nicht alle Gemeindeglieder kennen und zu ihnen Kontakt halten kann, ist es nötig, „Kontaktgruppen“ (Hauskreise) zu bilden, die sich regelmäßig treffen, über gemeinsamen Anliegen beten und sich gegenseitig unterstützen.

9. Die Erfahrung des Heiligen Geistes

Fr. Mallon macht deutlich, dass die Kirche wieder ein Ort wird, an dem Menschen das Wirken des Heiligen Geistes in ihrem eigenen Leben erfahren können. Er betont, dass wir nicht nur an Gott den Vater und seinen Sohn Jesus Christus glauben, sondern auch an den Heiligen Geist, zu dem wir in gleicher Weise beten sollten.

All diese Punkte zusammen tragen dazu bei, eine einladenden Kirche zu schaffen, die sich auch um die Menschen am Rande kümmert, in einer offenen und freundlichen, den Menschen und Gott zugewandten Atmosphäre.